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	<title>tinowagner.com // Blog &#187; Fiktion</title>
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	<description>Dies und das.</description>
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		<title>Da haben wir&#8217;s! Wir schreiben, wie wir wollen.</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2004 18:34:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tino Wagner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fiktion]]></category>
		<category><![CDATA[Glosse]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtschreibung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich setze mich in die Zeitmaschine. Der Zug in die Zukunft ist schon lange abgefahren, ich m&#246;chte in die andere Richtung. Ich sei ein guter Zeitreisender, meinte mein Fahrlehrer damals. Damals, als wir noch gro&#223;- und kleinschreiben durften.
Vor f&#252;nfzig Jahren gab es eine aberwitzige Debatte in Deutschland: Das Esszett wurde gerade abgeschafft, da wollten es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich setze mich in die Zeitmaschine. Der Zug in die Zukunft ist schon lange abgefahren, ich m&#246;chte in die andere Richtung. Ich sei ein guter Zeitreisender, meinte mein Fahrlehrer damals. Damals, als wir noch gro&#223;- und kleinschreiben durften.</p>
<p>Vor f&#252;nfzig Jahren gab es eine aberwitzige Debatte in Deutschland: Das Esszett wurde gerade abgeschafft, da wollten es die Verlage wieder. Politiker stritten sich darum, wie denn nun zu schreiben sei. Und sie kamen zu keiner Entscheidung. Entscheidungslosigkeit, das hei&#223;t in der Demokratie, das Alte beibehalten. Das Alte war in diesem Fall das Neue, die neue Rechtschreibung, eingef&#252;hrt Ende des letzten Jahrtausends, verbindlich ab 2005.</p>
<p>So blieben wir beim Neuen. Ich durfte »da&#223;« mit Doppel-s schreiben, alleinstehende M&#252;tter waren nun »allein stehend« und vereinsamten in der W&#252;ste. Die Anti-Fraktion hatte verloren, Deutschland war reformfreudig und die Politiker freuten sich &#252;ber ihren Erfolg.</p>
<p>Jetzt, f&#252;nfzig Jahre sp&#228;ter, reformieren die n&#228;chsten. Sie wollen die Kleinschreibung bei Substantiven einf&#252;hren. Eigennamen und der Satzanfang bleiben gro&#223;. Das Esszet f&#228;llt weg. Braucht ja jetzt sowieso keiner mehr: W&#246;rterb&#252;cher lassen wir einstampfen, denn heute schreibt man, wie&#8217;s einem gef&#228;llt &#8212; also eher phonetisch.</p>
<p>Da mach ich nicht mit! Ich bin der einzige denkende. Andere brauchen ja nicht mehr rechtschreiben. Ich bin ein &#220;berbleibsel der alten Fraktion, ging schon damals bei der Reform nicht mit.</p>
<p>Ich reise zur&#252;ck in die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Ich stelle mich quer. Ich bombardiere die Politiker mit Briefen &#252;ber die Unsinnigkeit einer Reform. Ich erz&#228;hle ihnen, was passieren wird, wie die Menschen denken werden, wozu sie imstande sind.</p>
<p>Werden sie mich h&#246;ren, werden sie mir glauben, werden sie mich verstehen?</p>
<p>Sie werden. Sie m&#252;ssen. Ein Volk wird sich mir anschlie&#223;en, um die Sprachkultur zu retten. Wer will schon schreiben wie vor f&#252;nfhundert Jahren? Schreiben, wie&#8217;s einem gef&#228;llt, schreiben, ohne nachzudenken, nur f&#252;r sich.</p>
<p>Ja, die Politiker m&#252;ssen mir einfach glauben! Wenn ich ihnen Texte der Reformreform zeige, werden sie alles zur&#252;cknehmen:</p>
<blockquote><p>»Main liber her fogel,<br />
hirmit bite ich si herzlich, die rechtshraibreform zuruek zu nemen. Tekste sint unlesbar gewordn. Shuelaer koenen kaine alten tekste mer lesn. Tomas Man kent kainer mer. Goete &#8212; wer wa das?<br />
File gruese,<br />
her mair«</p></blockquote>
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